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bzw. Ästhetische Erziehung
Ästhetische Bildung
(Bachelor/Master)
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            Lernbereich Ästhetik
            (Lernbereich Ästhetische Erziehung)

 







Diese vier Bände des Grundschulverbandes fassen Konzept und Anliegen des Lernbereichs Ästhetik zusammen, so wie er für ein fächerübergreifendes und fächerintegrierendes Verständnis universitärer Ausbildung und schulischen Lernens und Arbeitens entwickelt worden ist. Sie beziehen sich zwar auf die Fächer Kunst, Musik und Sport, weisen aber mit ihrem themen- und projektorientierten Verständnis über diese drei Fächer hinaus.
Die neuen Bachelor- und Masterkonzepte haben dieses Lernbereichskonzept an der Universität leider aufgelöst und sind unverständlicherweise zu einer reinen Fachausbildung in Kunst, Musik und Sport zurückgekehrt. Lehrveranstaltungen zur Ästhetischen Bildung werden jedoch weiterhin angeboten, als sogenannte Schlüsselqualifikationen und im Rahmen der frühkindlichen Bildung.


Begriff, Ziele, Begründungen

Struktur

Der Lernbereich in der Grundschule

Zerstörung

Inszenierungen 1986-2007

Bewegungswerkstatt

Lehrveranstaltungen





Begriff, Ziele, Begründungen:


Drei Lernbereichs-Begriffe – eine Bedeutung
In den reformfreudigen 1970er Jahren wurde ein neues Konzept für die Ausbildung von Primarstufenstufenlehrerinnen und –lehrern entwickelt. Zwischen den beiden als misslungen eingeschätzten Polen einer Ausbildung von „reinen“ Fachlehrerinnen oder „Allrounddilettanten“ fiel die Entscheidung zugunsten eines Mittelweges: Die leitende pädagogische Idee der Klassenlehrerinnen und –lehrer, die in ihrer eigenen Klasse möglichst viele Fächer unterrichten können, für die sie ausgebildet sind, führte zu einer Kombination von Fachausbildung (Deutsch oder Mathematik) und Lernbereichsausbildung (Sachunterricht oder Ästhetische Erziehung oder Wirtschaft/Technik). (Der Lernbereich Wirtschaft/Technik entfiel später.) Nicht zu vergessen natürlich die erziehungswissenschaftliche Ausbildung. 
Diese an den schulischen Notwendigkeiten orientierte Entwicklung begründete das neue Konzept eines Lernbereiches, der zunächst Lernbereich Kunst, Musik, Sport (Ästhetische Erziehung) getauft wurde. Studieninhalte: 1. Ästhetische Erziehung 2. Eines der drei Fächer 3. Einführungen in die anderen beiden Fächer (Genaueres siehe Struktur).
Mit der Bezeichnung Lernbereich Ästhetische Erziehung wurde schließlich die übergreifende Bedeutung des Ästhetischen hervorgehoben. Ende der neunziger Jahre setzte sich der Begriff Lernbereich Ästhetik durch, der auch im Sprachgebrauch des Grundschulverbandes Aufnahme fand.

„Ästhetische“ Missverständnisse
Noch heute findet man in Lexika und dementsprechend in den Vorstellungen der Menschen, dass Ästhetik das Schöne sei, das Angenehme und dass sie auch mit der Kunst zu tun habe. Das trifft auch zu, ist aber unvollständig und für die Begründung unseres Lernbereichs unzureichend.
Eine wichtige Aufklärung und damit die Grundlage für unser Lernbereichskonzept liefert Matthias Duderstadt (Ästhetik und Stofflichkeit. 1997, S. 12/13), indem er eine etymologische Klärung vornimmt und dann auf den Begründer der deutschen Ästhetik – Alexander Gottlieb Baumgarten – verweist:
Das Wort Ästhetik geht etymologisch zurück auf das altgriechische Adjektiv aisthetikos (bzw. aisthetike (techne)), das mit „(sinnlich)-wahrnehmend“ übersetzt werden kann. Sowohl das Adjektiv aisthetikos als auch das Substantiv aisthesis gehören zum Verb aisthanesthai (aisthanomai), dessen Bedeutungen unter anderem mit „fühlen, wahrnehmen, bemerken, empfinden, merken, erkennen, verstehen, einsehen, Einsicht haben angegeben werden“
Folgerichtig lassen sich auch die für das Substantiv aisthesis aufgeführten Übersetzungsmöglichkeiten zu einem Teil dem kognitiven, zu einem anderen dem emotionalen und zu einem dritten Teil beiden Bereichen zuordnen: „Gefühl, Wahrnehmung, Empfindung, Sinneswerkzeug, Empfindungsvermögen, Erkenntnis, Begreifen, Verständnis.“
Es kann also einleitend festgehalten werden, daß die Etymologie von Ästhetik weder eine einseitig emotional noch einseitig kognitiv bestimmte Festlegung nahe legt. Ferner rechtfertigt die Etymologie keine Reduzierung auf das Schöne oder Kunstschöne wie bei Kant oder Hegel. Und drittens lässt sich aus der Wortgeschichte keine Hierarchisierung von unteren (= tierischen) und oberen Erkenntniskräften wie z.B. bei Schiller ableiten.
Werfen wir einen Blick darauf, wie Alexander Gottlieb Baumgarten, der „Vater“ der Ästhetik als eigenständige philosophische Disziplin, mit diesem wortgeschichtlichen Erbe umgeht.
Der Begriff Ästhetik ist rund 250 Jahre alt; er taucht zum ersten Mal 1735 in der Dissertation A. G. Baumgartens auf. In seiner „Aesthetica“ aus den Jahren 1750 und 1758 entfaltet und diskutiert Baumgarten diesen Begriff dann genauer. In Paragraph 1 der Prolegomena heißt es:
„Die Ästhetik ist die Wissenschaft der sinnlichen Erkenntnis.“
Für Baumgarten ging es darum, der Erkenntnis über und durch die Tätigkeit der Sinne die gleiche Wichtigkeit einzuräumen, wie der rationalen Erkenntnis, der bis dahin dominierenden Erkenntnisform (Descartes). Zugleich ging es ihm nicht mehr nur um die Künste, sondern um alle Wirklichkeitsbereiche.
Was hat das mit unserem Lernbereich tun?
Versteht man nun die „Ästhetik im pädagogischen Kontext als die Lehre von der Wahrnehmung“ (Duderstadt 1997, S. 14), folgt daraus, dass zu ihrem Gegenstandsbereich die Künste und alle anderen Wirklichkeitsbereiche gehören.
Auf die Schule bezogen: Es geht um die vielfältigen Gemeinsamkeiten der künstlerischen Fächer in einem integrierten Lernbereich Ästhetik, und es geht zugleich (gleichwertig) um das Spezifische der Fächer Kunst, Musik und Sport, das nicht verloren gehen darf. Verbildlicht begegnen sich die Fächer in ihren Gemeinsamkeiten in einer Schnittmenge und behalten zugleich jeweils Eigenes, das als Fach nach ästhetischen Kriterien unterrichtet wird. Wie das konkret aussehen kann, ist in unseren einschlägigen Publikationen nachzulesen, die zu einigen unserer öffentlichen Inszenierungen und Unterrichtsvorhaben, die aus Projekten hervorgegangen sind, erschienen sind. (Siehe Inszenierungen und Publikationen; insbesondere den Hexen-Artikel, der herunter geladen werden kann: Download)
Eine ernst genommene Lehre von der Wahrnehmung richtet ihr Interesse auf die Wahrnehmungsbildung, die Schulung von Eindrucks-, Ausdrucks- und Urteilsqualitäten: der Körper/Leib, die Gefühle, die Sinnlichkeit und die Sinnesarbeit und die ästhetische Reflexivität. Eine fächerübergreifende Lernbereichsdidaktik (Projekt- und Themenorientierung) verbindet sich mit grundlegendem Unterricht in den künstlerischen Fächern, der in gleichem Maße rationale und sinnliche Erkenntnisprozesse anregt und miteinander verbindet.
Die Wahl konkreter ästhetischer Themen folgt einer frühen Erkenntnis von Baumgarten, die er in seinem § 560 folgendermaßen zusammenfasst, nachdem er anschaulich dargestellt hat, dass eine Marmorkugel nur dann aus einem Marmorblock entstehen kann, wenn man einen Verlust an materialer Substanz in Kauf genommen hat:
Denn was bedeutet die Abstraktion anderes als einen Verlust? (Schweizer 1973, S. 243)
Die Konsequenz daraus ist die Hinwendung zum Konkreten, das den Menschen berührt und interessiert und zum erkennenden Handeln bewegt.
So verstanden würde ästhetische Erziehung als Anleitung zum erkennenden Handeln gleichsam zum Motor jeglicher Veränderung im Individuum…Über die Sinnestätigkeit erreichen wir das Individuelle, das wahrhaft Bewegende. Die sinnliche Erkenntnis erschließt uns ein Mehr an Wahrheit. Die isolierte Verstandestätigkeit, das rein logische Abstrahieren ist nichts anderes als eine Verarmung, ein Verlust an Wahrheit, eine Beschränkung der menschlichen Handlungsfähigkeit. (Schmitt 1987, S. 4)

Ziele
Ziel der universitären Ausbildung ist es, zukünftige Lehrerinnen und Lehrer zu befähigen, in diesem Sinne zu unterrichten. Das beinhaltet:
- ein grundlegendes Verständnis für die Konzeption des Lernbereichs: Wahrnehmungsbildung und Bildung der Urteilskraft
- Entwicklung eigener Ausdrucks- und Gestaltungsqualitäten in thematischen Inszenierungen, die vor Zuschauern präsentiert werden
- erste Erfahrungen im unterrichtlichen Handeln durch die Teilnahme an einem themenbezogenen Projekt (3 Semester) und der darin integrierten Unterrichtseinheit: Lehren und Lernen in fächerübergeifenden und themenorientierten Projekten (Die weitere Qualifizierung für das Unterrichten ist schwerpunktmäßig Aufgabe des Referendariats.)
- eine grundlegende Ausbildung im gewählten Fach: Erwerb fachlicher Kompetenzen, die unverzichtbar sind für fächerübergreifendes Unterrichten
- die Bereitschaft, die beiden nicht gewählten Fächer in den ersten beiden Schuljahren in den eigenen Unterricht zu integrieren  (In den Klassen 3 und 4 sollte der Unterricht vorwiegend in den gewählten und voll ausgebildeten Fächern gegeben werden.): Zur Vorbereitung darauf dienen didaktische Einführungen in die nicht gewählten Fächer mit der Aufgabe, erste Grundlagen zu vermitteln.
Immer wieder beklagen Fachspezialisten den fachfremden Unterricht in der Grundschule (wobei in unserem Konzept Einführungen zu studieren sind). Wie sinnvoll und erfolgreich dieser fachfremde Unterricht sein kann, stellt Enja Riegel sehr anschaulich und überzeugend dar (Schule kann gelingen. Frankfurt am Main 2004, S. 114-116). Ist ihre Schule bei den PISA-Untersuchungen so erfolgreich gewesen, weil oder obwohl sie vielfältige Unterrichtskonzepte verfolgte?
Die Grundschule ist vorrangig eine pädagogische Institution und nicht in erster Linie dafür gedacht, die Kinder zu fachbezogenen Spezialisten auszubilden.


Spezielle Literaturhinweise zu diesem Abschnitt:
(Vollständige Literaturhinweise unter Personal/Polzin oder Publikationen)
Aus: Matthies/Polzin/Schmitt (1987): Ästhetische Erziehung in der Grundschule
- Schmitt: Einführungen. S. VII-XI
- Schmitt: Das Zusammenspiel von Kognition und Emotion in der ästhetischen Erziehung. S. 1-4
- Matthies: Lernbereich Ästhetische Erziehung – Integration der Fächer Kunst/Musik/Sport in der Grundschule. S. 5-44

Aus: Polzin (1992): Bewegung, Spiel und Sport in der Grundschule:
- Matthies: Integrierte Ästhetische Erziehung. S. 104-114

Aus: Duderstadt (1996): Kunst in der Grundschule:
- Duderstadt: Ästhetik und Wahrnehmung. S. 13-20

Aus: Polzin/Schneider/Steffen-Wittek (1998): Musik in der Grundschule:
- Polzin: Lernbereich Kunst/Musik/Sport. S. 121-132

Duderstadt (1997): Ästhetik und Stofflichkeit. S. 7-38
Duderstadt (2003): Improvisation und Ästhetische Bildung. S. 205-208
Matthies (1993): Kunst-Musik-Sport: fachspezifisch oder fächerübergreifend lehren und lernen. In: Haarmann, Dieter (Hrsg.): Handbuch Grundschule. Bd 2. 3. aktualisierte Auflage. Weinheim und Basel: Beltz, S. 286-299
Schweizer, Hans Rudolf (1973): Ästhetik als Philosophie der sinnlichen Erkenntnis. Basel/Stuttgart: Schwabe
Schweizer, Hans Rudolf (1976): Vom ursprünglichen Sinn der Ästhetik. Oberwil-Zug: Kugler


Struktur:


Der Lernbereich in der Grundschule:

Zielsetzungen für die schulische Praxis:

Für die 1. und 2. Klasse: Tätigkeit als Klassenlehrer/Klassenlehrerin
- Fächerübergreifender und fachlicher Unterricht in der eigenen Klasse im Lernbereich und in allen drei Fächern nach ästhetischen Kriterien
- Einbeziehung weiterer fachlicher Inhalte nach thematischem Bedarf und Neigung (z.B. Sprache und Dichtung, Darstellendes Spiel und Tanz)
- 4 Projekte pro Jahr (Zur Entwicklung der fachlichen Qualitäten in den fächerübergreifenden Projekten ist für die Kinder je einmal Kunst, Musik und Sport als fachlicher Schwerpunkt im Projekt zu wählen, im 4. Projekt kann nach Wunsch und Neigung gewählt werden.)
- Präsentation erarbeiteter Ergebnisse in Inszenierungen: Aufführungen, Ausstellungen,…(erste Erfahrungen, Entwicklung eines grundlegenden Niveaus)

Für die 3. und 4. Klasse: Tätigkeit als Klassenlehrer/-lehrerin und Fachlehrer
- Fächerübergreifender Unterricht im Lernbereich, schwerpunktmäßige Einbeziehung des eigenen Faches
- Einbeziehung der beiden nicht gewählten Fächer nach thematischem Bedarf und persönlicher Neigung – eine Kooperation mit Kolleginnen oder Kollegen kann im Hinblick auf die beiden nicht gewählten Fächer die ästhetischen Wünsche und Ansprüche ergänzen und vervollständigen (Kooperation sind natürlich auch schon in 1 und 2 zu empfehlen.)
- 4 Projekte im Jahr wie in 1 und 2 – Die Qualität der Projekte muss von Klasse 1 bis 4 gesteigert werden. (Vgl. Duderstadt/Meyer/Polzin 2000: Lernbereich Ästhetische Erziehung und Duderstadt/Polzin 2007: Hexen, Kinder und Ästhetische Bildung. Beides Download)
- Präsentation erarbeiteter Ergebnisse in Inszenierungen (Steigerung des Niveaus im Vergleich zu Klasse 1 und 2)

Probleme, die zu bearbeiten sind:

In der Universität:
- ständiger Personalmangel
- zu große Veranstaltungen
- Das Konzept hat einen guten Entwicklungsstand erreicht, muss aber immer weiter entwickelt werden.
- Das Schulpraktikum (Vorbereitung und Auswertung in der Uni, abgetrennte Begleitung in der Schule – Institutionell ist keine Kooperation vorgesehen.) ist in dieser Form unzulänglich und zu verbessern.
- Manche Studierende wollen nur ihr Fach studieren, begreifen nicht das fächerübergreifende und fachliche Konzept.
- Manche Studierende begreifen nicht, dass auch sie für ihre Ausbildungsqualität verantwortlich sind. Beliebte Entschuldigung in der Schule: „Das hat mir die Uni nicht beigebracht.“ (Die Reaktion sollte dann sein: „Dann holen Sie es jetzt ganz schnell nach.“)

Im Referendariat:
- Die Fortsetzung des Ausbildungskonzepts erfolgt kaum.
- Zum Zeitpunkt der Abschaffung der Lernbereichsausbildung an der Universität mit der Einführung der Ausbildung von Bachelor und Master war eine Neukonzeption der Referendariatsausbildung in Planung. Die Lücke zwischen Ausbildung und vorhandenem Rahmenplan Ästhetik für die Schule hätte geschlossen werden können.

In der Schule:
- Es gibt einen Rahmenplan, der den Lernbereich Ästhetik wie in der Ausbildung beinhaltet. Eine Fortbildung dafür gibt es nur zeitweise (Ästhetik-Tagungen).
- Absolventen werden mit der falschen Erwartung der Ausbildung in drei Fächern konfrontiert.
- Die drei künstlerischen Fächer in der Hand des Klassenlehrers oder der Klassenlehrerin in Klasse 3 und 4 ist eher die Ausnahme. Auch wenn es so gewünscht wird, ist es aus verschiedenen Gründen oft schwierig.

Aufgaben Ästhetischer Erziehung in der Grundschule der Gegenwart
Klaus Matthies hat diese Aufgaben zum Abschluss eines längeren Artikels (1987, S. 33-44) in Thesen zusammengefasst. Sie sollen hier zur Orientierung für den eigenen Unterricht zitiert werden. Im Original folgen den Thesen längere erklärende Abschnitte.
(1)    Ästhetische Erziehung in der Grundschule hat die generelle Aufgabe, Verbindungen  zwischen dem Alltagsleben der Kinder und den Künsten in der Welt der Erwachsenen aufzubauen, zu stärken und zu vertiefen.
(2)    Der Aufbau solcher Beziehung soll vom Alltagsleben der Kinder ausgehen und die natürliche Verbundenheit der Sinne im Spiel, in der Wahrnehmung und im Ausdruck wahren und nutzen.
(3)    Ein Teil der Aufgaben, die sich als Projekte über längere Zeiträume entwickeln sollen, muß den Gefühlsthemen gelten, die die Kindheit (und das spätere Leben) prägen.
(4)    Die je besonderen Ausdrucksleistungen von Musik, bildlicher Darstellung, Körperbewegung und Körperdarstellung sollen in Komplexthemen zur Geltung gebracht und thematisch gebunden entwickelt werden.
(5)    Wahrnehmung isolierter künstlerischer Werke (und Leistung) soll gezielt einbezogen werden. Sie bedarf der Rückbindung in Alltagswelt und –wahrnehmung und soll zugleich die Erkenntnis der Besonderheit der Werke fördern.
(6)    Ästhetische Erziehung in der Grundschule ist nicht auf die Kombination von Bild/Musik/Körperkunst beschränkt: wo es thematisch nahe liegt, sollen Sprach- und Sprechkunst, Tanz und Theater zum Zuge gebracht werden. Der thematische Zusammenhang gibt den Ausschlag, Grenzüberschreitungen sind erwünscht.
(7)    Zusammengefaßt kann ästhetische Erziehung in der Grundschule als verantwortlich geplante und durchgeführte Einführung in symbolisches Denken und Handeln, d.h. hier: Vorstellen und Gestalten – mit anderen Worten: in das Wesen und den Sinn künstlerischer Ausdrucksarbeit – verstanden werden.
In einer späteren Veröffentlichung (In: Polzin 1992, S. 104-114) hat Klaus Matthies die Thesen erweitert und dem Begriff das „Integrierte“ vorangestellt, um den Aspekt des Fächerübergreifenden und Integrativen stärker hervorzuheben. Hiervon soll nur die abschließende These zitiert werden, verbunden mit dem Verweis auf eigene Studien am Original:
Integrierte Ästhetische Erziehung hat aus all den genannten Gründen den Auftrag, Kindern (wie allen anderen Menschen in der Basis-Stufe oder in Basis-Situationen) Elementare Erfahrungen des Ästhetischen zu ermöglichen: des authentischen Selbstausdrucks, des symbolischen Verstehens und Gestaltens und der kommunikativen Kraft und Verpflichtung ästhetischer Praxis. Dies gilt für jede Einzelsituation gemeinsamer Versuche wie für die Auslegung der Erfahrungen auf den Lebensprozeß der Menschen im einzelnen und auf die Kultur im ganzen.

Spezielle Literaturhinweise zu diesem Abschnitt:
(Vollständige Literaturangaben bei „Personal/M. Polzin“ oder „Publikationen.“)
- Bund Deutscher Kunsterzieher (BDK): Ästhetische Erziehung in der Grundschule (Positionspapier der Arbeitsgruppe Primarstufe).
   In: BDK-Mitteilungen 3/1989, S. 2-10 (Eine sehr überzeugende ästhetische Konzeption für das Fach Kunst)
- Der Senator für Bildung und Wissenschaft (Hrsg.)(2001): Ästhetik: Kunst, Musik, Sport. (http://www.schule.bremen.de  Download dort)
- Duderstadt/Polzin (2007): Von Hexenzauber und Hexenjagd. In: Grundschule. H. 11 (Download des vollständigen Artikels auf dieser
  Homepage
; Titel: Hexen, Kinder und Ästhetische Bildung)
- Duderstadt/Meyer/Polzin (2000): Lernbereich Ästhetik – Zur Notwendigkeit seiner Etablierung und Modernisierung. Grundschulverband
   aktuell. H. 70 (Download auf dieser Homepage)
- Matthies, Klaus: Lernbereich Ästhetische Erziehung: Integration der Fächer Kunst/Musik/Sport in der Grundschule.
  In: Matthies/Polzin/Schmitt (Hrsg.)(1987): Ästhetische Erziehung in der Grundschule. S. 5-44
- Matthies; Klaus: Integrierte Ästhetische Erziehung. In: Polzin (Hrsg.)(1992):
  Bewegung, Spiel und Sport in der Grundschule. S. 104-114
- Riegel, Enja (2004): Schule kann gelingen. Wie unsere Kinder wirklich fürs Leben lernen. Fischer: Frankfurt am Main.

Veröffentlichte Projekt- und Unterrichtsbeispiele (Auswahl):

Zum Projekt „Phantasie und Praxis“ in: Matthies/Polzin/Schmitt (1987) (Hrsg.): Ästhetische Erziehung in der Grundschule
Zu den Projekten „Fliegen und Schweben“ und „Märchen“ in: Polzin (1992) (Hrsg.): Bewegung, Spiel und Sport in der Grundschule
Zum Projekt „Baiabong – Kinderlyrik und Ästhetische Erziehung“ in: Forytta/ Hanke (1989) (Hrsg.): Lyrik für Kinder – gestalten und aneignen. (Baiabong ist ein Gedicht von Peter Härtling.)
Dunajcsik-Klatt, Ilse/Polzin, Manfred (1991): New Dance in der Grundschule – für Mädchen und Jungen. In: sportpädagogik. H. 4, 39-43
Polzin (1991): Vom Mythos des Fliegens. Eine fächerübergreifende Unterrichtseinheit. In: sportpädagogik. H. 2, S. 52-58
Polzin (1998): Über die fachlichen Grenzen hinweg. In: Dietrich (Hrsg.): Bewegen Erfahren Denken. S. 181-187
Polzin (2001): Welträume – Weltträume. In: Grundschule. H. 10, S. 43-45
Polzin u.a. (2005)(Hrsg.): Der Lernbereich Ästhetik – Chance für eine lebendige Schule.


Zerstörung:

Bremen, den 18.6.2003

Betrifft: Abschaffung des Lernbereichs Ästhetik in der Beschlussvorlage für den Ausbildungsausschuss

An den
Ausbildungsausschuss und die Mitglieder der AG, die die Beschlussvorlage für eine neue Fächerstruktur im BaMa-Studium erarbeitet hat

Nachrichtlich:
Dekanat des Fachbereichs 12 (Prof. Dr. U. Pixa-Kettner, Prof.Dr. G. Straka, Prof.Dr. R. Kretschmann, H. Meyer und S. Brauer)
Beauftragte für die Lehre Prof.Dr. D. Bönig und alle Kolleginnen und Kollegen des Studiengangs Primarstufe
Die Beauftragten für die Lehre der Studiengänge Kunst (Prof.Dr. M. Müller),
Musik (Prof.Dr. T. Phleps) und Sport (Prof.Dr. H.-G. Artus)


Sehr geehrte Frau Dr. Bents-Rippel, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

wir protestieren energisch gegen die Abschaffung des Lernbereichs Ästhetik in der Beschlussvorlage zur neuen Fächerstruktur der BaMa-Studien.
Eine so weitreichende Entscheidung kann und darf nicht ohne Rücksprache mit dem Studiengang Primarstufe getroffen werden.

Um unseren Protest zu untermauern, werden wir auf die drei Begründungen für die Auflösung eingehen, die in der Beschlussvorlage unter der Überschrift „Problem“ genannt werden.
Zu 1:
Der Lernbereich Ästhetik wird zwar nicht – wie der Sachunterricht – in der Grundschule durchgängig als Lernbereich unterrichtet, aber ein Blick in den derzeit gültigen Rahmenplan für die Primarstufe in Bremen zeigt, dass der Lernbereich Ästhetik dort enthalten ist und mit seinen fachlichen und seinen integrativen Anteilen unterrichtet werden soll. Das bedeutet, dass die Fächer in ihrer Substanz weiterhin Bestand haben und dass es integrative Vorhaben (z.B. Projekte) gibt, die die drei Fächer (und je nach Thema weitere Inhalte) zeitweise zusammenführen. Dass dieses nicht nur möglich, sondern auch sinnvoll ist, zeigt unsere Kooperation mit den zuständigen Kolleginnen und Kollegen vom LIS bei der Entwicklung des Rahmenplans und bei der gemeinsamen Vorbereitung und Durchführung unserer Ästhetik-Tagung im letzen Jahr, die mit Referentinnen und Referenten und Teilnehmenden aus Uni, LIS und Schule im LIS stattfand. Der aus dieser Tagung hervorgehende Ästhetik-Band ist in Vorbereitung. (Auch der Bund Deutscher Kunsterzieher hat ein ähnliches Konzept publiziert.)
Eine Auflösung des Lernbereichs Ästhetik würde also auch eine Zerschlagung der erfolgreichen Kooperation zwischen LIS, Uni und Schule bedeuten.
Zu 2:
Das Argument der zu schmalen fachlichen/didaktischen Basis ist unzutreffend, weil wir niemals den Anspruch der Ausbildung eines Drei-Fach-Lehrers erhoben haben. Man studiert im Lernbereich ein Fach und das Integrative des Lernbereichs auf wissenschaftlichem Niveau und erhält didaktische Einführungen in die beiden nicht gewählten Fächer. Diese Ausbildung hat zum Ziel, in den ersten beiden Klassen der Grundschule alle drei Fächer in der eigenen Klasse zu unterrichten (Klassenlehrer) und in Klasse drei und vier sich auf sein Fach und das Integrative zu konzentrieren. Hier ist Kooperation mit anderen Fachlehrern für ästhetische Projekte erwünscht.
Auch der Sachunterricht wurde bisher erfolgreich studiert mit einem gewählten Fach und den Lernbereichsanteilen für alle.
Zu 3:
Nimmt man unser derzeitiges Primarstufenkonzept als Ganzes, gibt es das in der Beschlussvorlage aufgeführte Problem nicht. Mit dem Ziel der Klassenlehrerin oder des Klassenlehrers (das in der vorliegenden Beschlussvorlage ein Argument für die eingeschränkte Fächerwahl in der Sekundarstufe 1 ist) haben wir unser Konzept entwickelt (1 Fach - 1 Lernbereich - 1 Didaktisches Fach):
a. Es wird Deutsch oder Mathematik pflichtgemäß gewählt.
b. Es wird ein Lernbereich (Sachunterricht oder Ästhetik) gewählt und daraus ein Fach.
c. Es wird ein Didaktisches Fach gewählt, das ein weiteres Fach des Lernbereichs sein kann (nicht muss!), aber auch Biblische Geschichte, Englisch, Arbeit und Technik oder Textiles Gestalten (in Oldenburg).
Auf diese Weise können alle Fächer genügend zur Geltung kommen und zugleich ist integratives Lernen für alle gesichert!
Mit diesen Kombinationen ist gewährleistet, dass jede Absolventin und jeder Absolvent für die Klassenlehrerfunktion mit einer umfangreichen Stundenzahl studierter Fächer und Lernbereiche ausgebildet ist.
Die in der Beschlussvorlage vorgesehene Kombination Deu/Ma mit Englisch und Religion (Bibl. Geschichte) führt an den Realitäten der Grundschule völlig vorbei, denn Englisch ist erst ab der 3. Klasse vorgesehen (mit je zwei Stunden für 3+4) und Bibl. Geschichte ab der 2. Klasse (insg. 5 Std. für 2-4). Dieser Lehrer oder diese Lehrerin wäre also in einer 1. Klasse nur für Deutsch oder Mathematik ausgebildet.

Wir sind nicht gegen die kritische Überprüfung unseres Ästhetik-Konzepts. Es kann aber doch nicht sein, dass ein Lernbereich Ästhetik, der in den vergangenen Jahren in der Universität, in der Kooperation mit dem LIS (bei einer gemeinsamen Tagung und einer in Vorbereitung befindlichen Fortsetzung im Referendariat) und für einen Rahmenplan ständig weiterentwickelt worden ist, einfach zerstört wird.
Dieses Bremer Lernbereichskonzept wurde vom Grundschulverband – der Interessenvertretung von ca. 15000 Lehrerinnen, Lehrern und Schulen – für das ganze Bundesgebiet übernommen („Bildungsansprüche von Grundschulkindern – Standards zeitgemäßer Grundschularbeit“, 2002).
Ständig wird der Lehrerbildung vorgeworfen, Universität, 2. Phase und Schule würden zu wenig zusammen arbeiten. Hier ist die Zusammenarbeit vorhanden – und soll zerschlagen werden!?

Wir erlauben uns, noch einige grundsätzliche Überlegungen hinzuzufügen: Das im Lernbereich Ästhetik vermittelte und geübte interdisziplinäre ästhetische Denken, das über viele Fächergrenzen hinaus orientiert ist, bildet die Basis dafür, theatralische Inszenierungen, Aktionen, Performances und (multimediale) Ausstellungen an Schulen zu realisieren. Diese tragen zur enormen Intensivierung des basalen Lernens, zur ästhetischen Kompetenzbildung und zu einer substantiellen Bereicherung des schulischen Lebens bei. Ohne integrative Anteile im Studium ist dieses Ziel nicht zu erreichen.

In unserem Diskussionsentwurf vom 9. Juni haben wir beschrieben, welche integrativen, nicht schulstufenbezogenen, polyvalenten Module in die Bachelorphase integriert werden können und sollten. Der Lernbereich Ästhetik ist bereit, Teile dieses integrativen Angebots zu übernehmen.

Fazit:
Eine Rückkehr zu einem radikal an Fächern ausgerichteten Studium wäre in unseren Augen ein fataler Rückschritt, der unter den jetzigen und zukünftigen Anforderungen einer zeitgemäßen Schule nicht zu rechtfertigen wäre. Nirgendwo anders können Studierende Problemlösungsstrategien, vernetzendes Denken, flexibles reagieren auf unerwartete Situationen und soziale, kommunikative Fähigkeiten eindrücklicher lernen als in kooperativen künstlerischen Projekten.
Falls ernsthaft intendiert sein sollte, den Lernbereich Ästhetik aufzulösen, würde das bedeuten, in alte Zeiten zurückzufallen und die nationalen und internationalen Bemühungen, Fächergrenzen zu überwinden, zu ignorieren.



PD Dr. Matthias Duderstadt       Prof. Dr. Manfred Polzin       Corinna Vogel
Lernbereich Ästhetik – Studiengang Primarstufe – Fachbereich 12



Inszenierungen 1986-2007:

19 Inszenierungen – 19 Themen

Ziele im Hinblick auf Präsentationen in der Schule:
- Eigene Erfahrungen mit der Vorbereitung und Durchführung von Inszenierungen, die der Präsentation erarbeiteter Ergebnisse dienen
durch verantwortliche Mitarbeit bei Programmentwicklung, Bühnen- und Wandbild, Medien (Dias, Beamer, Video), Musik (Technik und Live), Beleuchtung, Öffentlichkeitsarbeit,…
- Entwicklung eigener Ausdrucks- und Gestaltungsqualitäten in diesen  Inszenierungen

Eingefügte Veröffentlichungen zu einzelnen Aufführungen und allgemeine Publikationen am Schluss dieses Textes dienen der Veranschaulichung des Inszenierungskonzepts.

Betrachtet man die Themen und die Orientierungen dieser 19 Inszenierungen, kann man inzwischen vier verschiedene Entwicklungsstadien unterscheiden:

1. Die sportliche Orientierung dominiert. Der Hochschulsport und der Studiengang Sport zeigen ihre Bewegungskünste.

1986: Turnzirkus der Bremer Sportstudenten und –studentinnen
1988: Bewegungskünste und Sportspektakel
1989: Bewegen – Erleben: Muskeln – Bäuche – Sensationen

2. Eine Primarstufenlehrveranstaltung und ein Thema treten hinzu: engere Einbindung in die Ausbildung (Hochschulsport,
    Studiengänge Sport und Primarstufe)

1990: Bewegungskünste auf Reisen
          Polzin (1992): Arctic Dreams – mit Trampolinspringen eine Geschichte
          erzählen. In: Leibesübungen/Leibeserziehung. H. 5, S. 29-33
1991: 1001 Pracht – Basar der Künste
          Bähr, Ingrid/Schauwacker, Ralf (1993): „…das Fürchten zu lernen.“ Eine
          Inszenierung am großen Trampolin. In: sportpädagogik. H. 3. S. 45-48
1992: Aquakadabra – Meerescocktail für die Sinne
1993: KatasTROPENtango oder atemberaubende Dschungelkünste



3. Geschichten und ihre Inhalte dienen als Ausgangspunkt (Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur)

1994: Sindbad oder wie es wirklich wa(h)r
          Polzin (1996): Sindbads Reisen. In: Grundschule. H.10, S. 12-14
1995: Gullivers Reisen
1996: Alice im Wunderland
1997: Peter Pan
1998: Pippi Langstrumpf

4. Das Team des Lernbereichs Ästhetik ist komplett (Kunst, Musik und Sport sind personell-fachlich vertreten; zusätzlich:
   ein
regelmäßiger Theaterlehrauftrag) und erarbeitet gemeinsam die Inszenierungen. Die Themen werden wieder offener.

1999: Weltraum: Eine Welt – ein Raum
           Leitung: M. Polzin (Bewegungskünste), M. Duderstadt (Bildende
           Kunst), C. Meyer (Musik)
           Meyer (2003): Inszenierung ästhetischer Erfahrungsräume
2001: Das war´s – war´s das? Ernste und komische Szenen zur Frage des
          Umgangs mit dem Tod
          Leitung: M. Polzin, M. Duderstadt, C. Meyer
2003: Alltäglicher Wahnsinn
          Leitung: M. Polzin, M. Duderstadt, C. Vogel
          (Siehe unten Artikel Duderstadt/Polzin/Vogel)
2004: Growing young – 21 Fund- & Spielfragmente
           Leitung: M. Duderstadt, C. Vogel, B. Weller (Video/Theater)
2005: Extrem - Eine Inszenierung der anderen Art
          Leitung: M. Duderstadt, M. Polzin, C. Vogel, B. Weller
2006: Expedition Schule
           Leitung: M. Duderstadt, M. Polzin, B. Weller 
2007: Nauru – Paradise for Sale
           Leitung: M. Duderstadt. B. Weller

Spezielle Literaturhinweise zu diesem Abschnitt:
(Vollständige Literaturangaben unter Personal oder Publikationen.)
Duderstadt (2003): Improvisation und Ästhetische Bildung.
Duderstadt/Polzin/Vogel (2003): Soziale Prozesse beim Inszenieren von Bewegungsthemen – von Kreativitätsmuskeln und alltäglichem Wahnsinn. In: Köppe/ Schwier (Hrsg.): Handbuch Grundschulsport. S. 235-256 (Dieser Artikel vermittelt einen guten Einblick in die Entstehung und Entwicklung einer Inszenierung: Download auf dieser Homepage)
Dunajcsik-Klatt/Polzin (2001): New Dance in der Grundschule – für Mädchen und Jungen. In: sportpädagogik. H. 4, S. 39-43
Geßmann, Silvia/Stemminger, Jens/Polzin, Manfred (1995): Inszenierungen: Zwischen Sportschau und inhaltlichem Anspruch. In: Holzapfel u.a.: Weiterbildung, Sport, Gesundheit. S. 201-209
Matthies, Klaus/Polzin, Manfred (1991): In Szene setzen. Der gestiefelte Kater als Beispiel für integrierte Ästhetische Erziehung. In: Redl/Sobotka/Russ (Hrsg.): Sport an der Wende (Kongressbericht). Wien. S. 158-172
Polzin (1990): Rhönräder: Bewegung und Symbolik. In: sportpädagogik. H. 6, S. 56-58
Meyer, Claudia (2003): Inszenierung ästhetischer Erfahrungsräume. Ein Beitrag zur Theorie und Praxis in der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung
Polzin, Manfred (2001): Inszenierungen als Teil der Ausbildung. Gibt es einen „Kreativitätsmuskel“, der trainiert werden kann/muss? In: Funke-Wieneke/ Moegling, (Hrsg.): Stadt und Bewegung. S. 398-406
Polzin, Manfred (1993): Vorführen – Aufführen (Themenheft): In: sportpädagogik. H. 2, S. 13-19
Weller, Barbara (1996): Was soll das Theater? Improvisation und Bildende Kunst. In: Duderstadt (Hrsg.): Kunst in der Grundschule. S. 183-196



Die Bewegungswerkstatt/Werkstatt Ästhetische Erziehung:




Was ist das?
Die Bewegungswerkstatt/Werkstatt Ästhetische Erziehung hat keine eigene (Bewegungs-)Halle. Sie ist eingerichtet in einem abgeschlossenen Raum neben der Turnhalle (Halle 4) und besteht aus einer
- Sammlung von Materialien: Literatur, Zeitschriften, Konzepte zu Themen des Lernbereichs (Bildende Kunst, Musik, insbesondere Tanz und Bewegung), didaktische Materialien
- Bewegungsgeräten, die die Bewegungsmöglichkeiten traditioneller Geräte erweitern, ergänzen oder vertiefen,
- vielfältigen Musik- und Geräuschinstrumenten,
- Requisiten für Inszenierungen: Stoffe, Masken, Vorhängen, Leinwänden, ...
Der Raum der Bewegungswerkstatt kann also genutzt werden für das Kennen lernen der vorhandenen Materialien und ihre Verwendung für eigene Vorhaben in Lehrveranstaltungen. Bewegungsexperimente und –erfahrungen sind möglich, wenn die Turnhalle oder andere geeignete Räume zur Verfügung stehen.

Wie man sie nutzen kann:
Verwaltung und Buchausleihe sind im Augenblick gebunden an die Lehrveranstaltungen „Bewegungswerkstatt - Der Lernbereich Ästhetik im Anfangsunterricht“.
Kontaktpersonen: Nils Krause und Fabian Surrey
Öffnungszeiten: Regelmäßige Öffnungszeiten
E-Mail:          bewegungswerkstatt@uni-bremen.de: existiert noch nicht, daher meldet euch am besten bei...


nilz.krauze@gmx.de             oder               fsurrey@gmx.de

                                                     


Wie die Bewegungswerkstatt einmal geplant war:
Die Werkstatt wurde ab 1997 zusammen mit Studierenden konzipiert, aufgebaut und weiterentwickelt.
Ihr Angebot richtete sich perspektivisch an alle Primarstufen-Studierenden, weil alle in der Grundschule Unterrichtenden etwas vom Spielen und Sich-Bewegen verstehen müssten, und sie richtete sich im Rahmen von Fort- und Weiterbildung (an Schulen und an der Universität) an Lehrerinnen und Lehrer.
Die Werkstatt sollte eine angenehme und kommunikative Atmosphäre bieten, sie sollte ein Treffpunkt werden für Gespräche, für das Kennen lernen von Menschen, Materialien und Geräten, für das Informieren und Nachschlagen in der langsam wachsenden Handbibliothek, für die Erarbeitung von praktischen und theoretischen Grundlagen: Basisqualifikationen für die künftige oder aktuelle berufliche Tätigkeit.
Insgesamt sollte der für eine Bewegungswerkstatt unverzichtbare experimentelle Charakter im Vordergrund stehen.
In den ersten Jahren wurden – verbunden mit freiwilliger Teilnahme – viele dieser Ziele erreicht, weil die geltende Studien- und Prüfungsordnung genügend Raum ließ.
Vorgesehene Inhalte (Auswahl):
- Theorieentwicklung durch reflexiv-konstruktive Neugestaltung von Praxis (an der neuen Praxis für die Theorie lernen)
- pädagogische Erkenntnisprozesse und didaktische Wissensaneignung
- eigene reflektierte Erfahrungen mit dem eigenen Körper, mit Materialien und Geräten, mit anderen Menschen
- mit alten und neuen Geräten und Materialien Bewegungsräume neu arrangieren, gestalten und konstruieren
- Entwerfen und Konstruieren von (neuen) Bewegungsmaterialien und Sportgeräten
- Sammlung und Erstellung didaktischer Materialien (zu Personen, zu Konzepten, zu Ideen,…)

Wie die Bewegungswerkstatt jetzt konzipiert ist:
Mit den Verschärfungen der Studien- und Prüfungsordnung schrumpften die Wahlmöglichkeiten. Die Werkstatt wurde unter dem Titel „Bewegungswerkstatt: Der Lernbereich Ästhetik im Anfangsunterricht“ eine (fast) normale Lehrveranstaltung, der Experimentalcharakter ging weitgehend verloren.
Vorteil:
Die Lehrveranstaltung wurde Pflicht, so dass sich fast alle Studierenden der Primarstufe nun mit ihren eigenen Erfahrungen beim Spielen und Sich-Bewegen im Hinblick auf ihre spätere berufliche Tätigkeit auseinander setzen mussten. Sie sind so besser und eher in der Lage, Prozesse des Spielens und Sich-Bewegens sinnvoll und angemessen anzuleiten.
Nachteil:
Pflichtanteile geben dem Experimentellen oft nicht genügend Raum.
Vorgesehene Inhalte (Auswahl):
- Wahrnehmung und Ästhetik: der Lernbereich
- Vorstellung bewegungspädagogischer Konzepte in Theorie und Praxis
- Thematisierung von Fragen des Anfangsunterrichts
- Erarbeitung von Lehrversuchen zum Lernbereich Ästhetik im Anfangsunterricht. Dabei sollen Integratives und Fachliches (Bildende Kunst, Musik, Bewegung und Tanz) eine Verbindung eingehen, die reflektiert wird: Was ist ästhetisches Lernen?

Wie sie im BAMA angeboten wird:
In den Studien zum Bachelor und Master sind Module zur Bewegungswerkstatt vorgesehen, das erste davon in einem Veranstaltungsverbund der Studiengänge Kunst und Sport. (Der Studiengang Musik sah sich nicht in der Lage, sich zu beteiligen.) Die Möglichkeit, zu einer Konzeption im ursprünglichen Sinne zurückzukehren, ist vorhanden. Was sich unter den derzeitigen schwierigen Bedingungen realisieren wird, bleibt abzuwarten.


Spezielle Literaturhinweise zu diesem Abschnitt:

Hagstedt, Herbert (1998): Zwischen ungemachten Hausaufgaben und neuen Heilserwartungen, Ein erneuter Definitionsversuch des Konzepts Lernwerkstatt. In: Die Grundschulzeitschrift. H. 115, S. 49-53

Hildebrandt, Reiner/Polzin, Manfred (1999): Schule als Bewegungswerkstatt. In: Kemnade, Ingrid (Hrsg.): Schulbegleitforschung und Lernwerkstätten. Oldenburg, S. 167-187

Landau, Gerhard: Werkstatt: Sport, Spiel und Bewegung. In: Pawelke, Rainer (Hrsg.)(1995):Neue Sportkultur. Von der alternativen zur Neuen Sportkultur. Neue Wege in Sport, Spiel, Tanz und Theater. Lichtenau: AOL, S. 468-471

Schreiber, Ulrike/Brandt, Maike (1998): Die Bremer Bewegungswerkstatt – Entwicklung von Bausteinen zu einer begrifflichen und konzeptionellen Grundlegung. Bremen. (Schriftliche Hausarbeit zur Ersten Staatsprüfung – kann in der Bibliothek der Bewegungswerkstatt ausgeliehen werden.)


Lehrveranstaltungen:

Hier sind Lehrveranstaltungen für das auslaufende Studium des Lernbereichs Ästhetik zu finden. Was hier zu lesen ist, ist die Planung der Veranstaltungen.
Da es immer Änderungen geben kann (Räume, Zeiten), bitte unbedingt direkt vor Semesterbeginn vergleichen mit den Aushängen des Veranstaltungsbüros und neben der Tür von Matthias Duderstadt (GW 2, B 2050/2090).


Lehrveranstaltungen Ästhetik WiSe 07/08 (pdf-download):
Lehrveranstaltungen EW-Ästhetische Bildung WiSe 07/08 (pdf-download):

Wintersemestersemester 2007/2008:
1. Projekte:
Spiel und Multimedialität:

3. Projektsemester
12-000 Auswertung des Gesamtprojektes
            PP 1 SWS Mo 12-13 Uhr     M. Duderstadt

12-000 Auswertung des Gesamtprojektes
            AV 2 SWS Mo 13-15 Uhr   Romann/Schreiber (PM)


2. Einzelveranstaltungen:
1. Der Lernbereich Ästhetik im Anfangsunterricht:

12-205 Der Lernbereich Ästhetik im Anfangsunterricht
            S 2 SWS Blockveranstaltung (siehe Aushang)     C. Smorra (LB)
            Teilnehmerbegrenzung wegen Prüfungsrelevanz auf 25,
            Anmeldung erforderlich, Auswahlkriterien siehe Aushang

12-206 Der Lernbereich Ästhetik im Anfangsunterricht
            S 2 SWS Blockveranstaltung (siehe Aushang)     C. Smorra (LB)
            Teilnehmerbegrenzung wegen Prüfungsrelevanz auf 25,
            Anmeldung erforderlich, Auswahlkriterien siehe Aushang

12-202 Bewegungswerkstatt: Der Lernbereich Ästhetik im Anfangsunterricht
            S 2 SWS Mi. 15-17 Uhr SpT Halle 4    S. Förster

12-203 Bewegungswerkstatt: Der Lernbereich Ästhetik im Anfangsunterricht
            S 2 SWS Do 10-12 Uhr SpT Halle4 und C1520     S. Geßmann
            Teilnahmebegrenzung auf 25 wie oben

12-204 "Musik und Bewegung kunstvoll inszeniert!"
            Der Lernbereich Ästhetik im Anfangsunterricht
            S 2 SWS SpT Halle4 und C1520    B. Romann und U. Schreiber
            Teilnahmebegrenzung auf 25 wie oben
            Blockveranstaltung (siehe Aushang)
            Mo. 05.11.07 17-19 Uhr GSW
            Fr. 09.11.07 14-20 Uhr und Sa. 10.11.07 09-18 Uhr


Die 4 SWS zum Anfangsunterricht setzen sich zusammen aus:
2 SWS von C. Smorra und 2 SWS von S. Geßmann oder B. Romann und U. Schreiber oder S. Förster


3. Weitere Einzelveranstaltungen:

12-000 Ausgewählte Themenfelder der Ästhetischen Bildung
            S 2 SWS Di 17-19 Uhr   M. Duderstadt
            (Vor allem für Examenssemester)






Weitere Lehrveranstaltungen findet ihr unter:

http://www.uni-bremen.de/veranstaltungen/semesteruebersicht